Wissenswertes über Demenzen

Einleitung

Hier finden Sie in aller Kürze Wissenswertes über Demenzkrankheiten zusammengefasst. Ausführlichere Informationen erhalten sie im Ratgeber der Deutschen Alzheimer Gesellschaft "Das Wichtigste über die Alzheimer-Krankheit" (Hrsg. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. , Berlin 17. aktualisierte Aufl. 2010).

Demenzen sind Erkrankungen, die zum Verlust von geistigen und körperlichen Fähigkeiten führen, so dass die betroffenen Personen in fortgeschrittenen Stadien kein eigenständiges Leben mehr führen können. Die Ursachen für eine Demenz können vielfältig sein. Je nach dem, ob die Ursache einer Demenz auf Veränderungen im Gehirn zurückgeht oder eine Folgeerscheinung anderer Grunderkrankungen ist, unterscheidet man zwischen primären Demenzen und sekundären Demenzen. Bei letzteren handelt es sich um Folge- bzw. Begleiterscheinungen anderer Grunderkrankungen, wie zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangelzustände, chronische Vergiftungserscheinungen durch Alkohol oder Medikamente. Im Unterschied zu den primären Demenzen bestehen bei sekundären Demenzen oft recht gute Heilungschancen, wenn die eigentlichen Ursachen behandelt werden.

Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Alzheimer-Krankheit, da diese die weitaus häufigste Form einer Demenzerkrankung darstellt.

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Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten

Die Alzheimer-Krankheit ist ein sehr langsam fortschreitender Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Er betrifft vor allem jene Abschnitte des Gehirns, die für das Gedächtnis und die Denkfähigkeit wichtig sind.
Zwei fehlerhafte Stoffwechselvorgänge führen zum Untergang von Nervenzellen. Ein Bestandteil der Zellhaut wird an falscher Stelle gespalten. So entstehen Bruchstücke, die sich zu einer für Nervenzellen schädlichen Masse (Amyloid) zusammenlagern. Innerhalb von zahlreichen Nervenzellen kommt es zur Bildung von Faserknäueln, die allmählich die Lebensvorgänge der Zellen lahmlegen. Als Folge des Nervenzelluntergangs fehlen im Gehirn Überträgerstoffe, vor allem das für Gedächtnis und Aufmerksamkeit wichtige Acetylcholin. Die medizinische Forschung bemüht sich gegenwärtig intensiv darum, die Mechanismen des Zelluntergangs noch genauer zu analysieren. An diesen Vorgängen werden die Behandlungsformen der Zukunft ansetzen.

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Alter ist der wichtigste Risikofaktor

Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind erst teilweise bekannt. In den meisten Fällen wirken mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören Alterungsvorgänge und Vorschädigungen des Gehirns. Aber auch Erbfaktoren spielen eine Rolle. Der wichtigste Risikofaktor ist jedoch das Alter.

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Rolle der Vererbung

Genetische Veränderungen als alleinige Krankheitsursache sind sehr selten.

In weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Erkrankung liegt eine dominante Vererbung vor. Das bedeutet, dass die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit ausreicht und dass statistisch gesehen die Hälfte aller Nachkommen eines Betroffenen ebenfalls erkranken. Diese Mutationen liegen auf den Chromosomen 1, 14 oder 21.

Solche Alzheimer-Familien sind an folgenden Merkmalen zu erkennen:

  • Es sind mehrere ähnliche Krankheitsfälle in verschiedenen Generationen aufgetreten.
  • Bei den Betroffenen haben die ersten Symptome in einem verhältnismäßig jungen Alter eingesetzt (in der Regel vor dem 60. Lebensjahr).

Das Zusammentreffen von mehreren spät (nach dem 70. Lebensjahr) einsetzenden Krankheitsfällen in einer Familie bedeutet nicht, dass es sich um eine erbliche Form der Krankheit handelt.

 

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Vorbeugung/ Prävention

Bislang gibt es leider keinen Schutz davor, an Alzheimer zu erkranken. Es gibt aber eine Reihe von unspezifischen Faktoren, die das Risiko der Krankheit verringern.

Dazu gehören:

  • Geistige, körperliche und soziale Aktivität,
  • ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin,
  • fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren und
  • die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus.
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Symptome und Stadien der Alzheimer-Krankheit

Der Untergang von Nervenzellen und Nervenzellverbindungen breitet sich sehr langsam im Gehirn aus. Viele Jahre lang verursacht er keine äußerlich erkennbaren Krankheitszeichen. Diese entstehen erst, wenn große Teile der Großhirnrinde geschädigt sind. Weil der Prozess allmählich fortschreitet, macht sich die Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium ganz anders bemerkbar als im mittleren oder fortgeschrittenen Stadium.

Frühes Stadium: Störungen von Gedächtnis, Orientierung, Denkvermögen und Wortfindung

Im frühen Krankheitsstadium stehen Gedächtnisstörungen im Vordergrund. Die Kranken können sich den Inhalt von Gesprächen oder Mitteilungen in Zeitung und Fernsehen nicht einprägen, sie erinnern sich nur bruchstückhaft an wenige Stunden zurückliegende Ereignisse, verlegen häufig Gegenstände und suchen danach, oder vergessen Verabredungen.
Solange die Gedächtnisstörungen die Alltagstätigkeiten nicht wesentlich einschränken, spricht man von einer "leichten kognitiven Störung" (englisch mild cognitive impairment oder MCI).
Die Fähigkeit, Urteile zu fällen, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen, ist eingeschränkt. Bei vielen Kranken ist auch ein Nachlassen des Antriebs und der Eigenaktivität festzustellen, bei anderen eine zunehmende Reizbarkeit und ungewöhnliche Stimmungsschwankungen. Ein Teil der Kranken hat Probleme, beim Sprechen die passenden Wörter zu finden oder sich örtlich zurechtzufinden, beispielsweise beim Autofahren.

Mittleres Stadium: Orientierungslosigkeit, ausgeprägte Störungen der Sprache, Verblassen der Erinnerung

Die Krankheitszeichen des frühen Stadiums nehmen allmählich zu und erreichen einen Grad, der die selbstständige Lebensführung nicht mehr zulässt. Die Kranken brauchen zunehmend Hilfe bei einfachen Aufgaben des alltäglichen Lebens wie Benutzen von Verkehrsmitteln, Einkaufen, Zubereiten von Mahlzeiten, Bedienen von Haushaltsgeräten, Baden und Duschen oder Aufsuchen der Toilette.
Zu den genannten Symptomen treten ausgeprägte Veränderungen des Verhaltens hinzu. Am häufigsten ist eine hochgradige Unruhe. Die Betroffenen gehen rastlos auf und ab, laufen ihren Bezugspersonen hinterher, stellen fortwährend die gleichen Fragen oder wollen ständig die Wohnung verlassen.

Fortgeschrittenes Stadium: hochgradiger geistiger Abbau, zunehmende Pflegebedürftigkeit und körperliche Symptome

Im fortgeschrittenen Stadium besteht ein hochgradiger geistiger Abbau. Die Sprache beschränkt sich auf wenige Wörter oder versiegt ganz. Die Kranken sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. In der Regel geht die Kontrolle über Blase und Darm sowie über die Körperhaltung verloren, die Kranken können nicht mehr alleine gehen und werden bettlägerig. Ferner können Schluckstörungen und Krampfanfälle auftreten. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt. Die Alzheimer-Krankheit selbst führt nicht zum Tod. Die häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung.

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Weitere Demenzerkrankungen

Vaskuläre Demenzen

Bei vaskulären Demenzen kommt es in Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Absterben von Nervenzellen. Vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ist es abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist.

Die häufigste Variante der vaskulären Demenz wird durch eine Wandverdickung in kleinen Blutgefäßen hervorgerufen, welche die tiefen Strukturen des Gehirns mit Blut versorgen. Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofakor. Die Gefäßerkrankung bewirkt kleine Infarkte (Lakunen) und eine Schädigung der Nervenfasern (Marklagerschäden).
Der Beginn der vaskulären Demenz ist oft schleichend, das Fortschreiten allmählich - also schwer von der Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden. Allerdings sind die Symptome anders. Im Vordergrund stehen nicht Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität.
Eine seltenere Form der vaskulären Demenz ist die Multi-Infarkt-Demenz, bei der das Gehirn durch viele kleine Schlaganfälle geschädigt wird. Die Multi-Infarkt-Demenz beginnt meist plötzlich und schreitet in der Regel stufenweise fort. Die Krankheitssymptome sind denen der Alzheimer-Krankheit sehr ähnlich, es können aber körperliche Störungen wie Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen hinzu kommen.
Risikofaktoren sind u.a. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),  ein hoher Cholesterinspiegel (Blutfettwerte), Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.

Übrigens: Durch eine rechtzeitige Behandlung der Risikofaktoren ist eine prinzipielle Vorbeugung der vaskulären Demenz möglich.

 

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Lewy-Body oder Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt der Alzheimer-Krankheit sehr stark. Die Erkrankungen sind deshalb schwer von einander zu unterscheiden. Aus diesem Grund ist es auch nicht leicht zu klären, in welchem Umfang Mischformen der beiden Demenzen vorkommen.

Kennzeichnend für eine Lewy-Körperchen-Demenz sind:
 

  • starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit
  • optische Halluzinationen, die oft sehr detaillreich sind, und
  • leichte Parkinsonsymptome (unwillkürliches Zittern der Hände, Steifigkeit der Bewegungen).

Es müssen allerdings nicht alle Symptome auftreten. Außerdem kommt es häufig zu Stürzen oder kurzen Bewusstlosigkeiten.

Besonders gut scheinen die Patienten auf die Behandlung mit modernen Antidementiva, Acetylcholinesterase-Hemmern, anzusprechen. Bei der Behandlung mit Neuroleptika ist dagegen besondere Vorsicht geboten, weil die Patienten darauf überempfindlich reagieren.

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Frontotemporale Demenzen (Pick-Krankheit)

Die Frontotemporale Demenz ist eine Krankheit, bei der der Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich (Fronto-Temporal-Lappen) des Gehirns stattfindet. Von hier aus werden u.a. Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert.

Frontotemporale Demenzen treten normalerweise früher auf als die Alzheimer-Krankheit, meistens schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr oder früher. Die Spanne ist allerdings sehr groß (zwischen 20 und 85 Jahre).

Bei fast allen Patienten fallen zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Dazu zählen insbesondere Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen aber auch Teilnahmslosigkeit. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Störungen der Sprache, die sich in Wortfindungsstörungen, Benennensstörungen, Sprachverständnisstörungen und fehlendem Mitteilungsbedürfnis bis zum völligen Verstummen äußern. Im weiteren Verlauf kommt es zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die lange Zeit aber nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei der Alzheimer-Krankheit.

Die Diagnostik der Frontotemporalen Demenz kann schwierig sein. Weil zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens im Vordergrund stehen, kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit psychischen Störungen wie Depression, Burn-out-Syndrom, Schizophrenie oder Manie.
Die Betroffenen zeigen in der Regel kaum Krankheitseinsicht oder Therapiemotivation.

Weil die Vorgänge, die zum Nervenzelluntergang führen, zum größten Teil nicht bekannt und nicht beeinflussbar sind, gibt es bisher allerdings auch keine gezielten Therapiemöglichkeiten. Die medikamentöse Behandlung zielt derzeit darauf ab, die Verhaltensauffälligkeiten der Patienten zu mildern.
Das Zusammenleben mit einem Patienten, der an einer Frontotemporalen Demenz leidet, bedeutet für die Angehörigen eine enorme Belastung. Vor allem sind es die Verhaltensauffälligkeiten, besonders Aggressionen, enthemmtes Verhalten und Unberechenbarkeit der Patienten, die den Angehörigen zu schaffen machen.